Meine zweite Live-Steam Lok
BR 99 6001 - 4


 

1. Stationen einer Annäherung

Schon beim 2. Echtdampf-Hallentreffen im Januar 1998 in Sinsheim faszinierten mich in technischer Hinsicht in der Baugröße IIm /G besonders die mit Kohle gefeuerten Maschinen von Kolb, Kiefer &. Röder, allerdings gefielen mir die Proportionen der ausgestellten Lokomotiven nicht so gut. Als Beispiel möge die unten abgebildete BR 99 211 dienen.

BR 99 211
aus älterer Produktion

Im Juni 1999 auf dem Ludwigshafener Parkfest Echtdampf-Treffen wurde u.a. der Prototyp der 99 6001 vorgestellt - Fahrdynamik, Zugkraft und Aussehen hatten es mir sofort angetan.

Prototyp der BR 99 6001-4

Eine Probefahrt lies mich ins Träumen kommen ...

Am 14.08.1999 war ich bei Klaus Kiefer zu Gast. Die Herren Kolb, Kiefer und Röder beantworteten geduldig alle meine Fragen zur Lok, ich konnte die 99 6001 erneut ausführlich testen.
Die Entscheidung war indes gefallen: Ich bestellte die Maschine, die von Herrn Kolb und Herrn Röder unter Berücksichtigung meiner Wünsche gebaut werden sollte.
Bei meiner Maschine zeichnete dabei Gerd Röder verantwortlich für das Fräsen der Zylinder und Schieberkästen und die Blecharbeiten mit folgenden Baugruppen: Führerhaus mit Dachaufsatz, Wasserkästen, aufklappbarer Kohlenkasten (der Akkus und Empfänger aufnimmt), abnehmbare Kupplung mit Werkzeugkastenattrappe.
Walter Kolb war für alles Andere zuständig, insbesondere für den Kessel mit allen Armaturen und die Aggregate (Fahrpumpe, Dampf-Speisepumpe, Ölpumpe), sowie für die RC-Steuerung der Lokomotive.
Am 14.11.1999 erfolgte die Abnahme und Auslieferung nach ausführlichem Probe-Betrieb auf der Anlage von Klaus Kiefer.

2. Bilder von der Lokomotive

Zur Vergrößerung bitte Bilder anklicken!

Detail von dem "Gesicht" der Lok

Lokführer-Seite

Who is who?

Zu Gast auf der Anlage des Erbauers der Lokomotive

Frontansicht:
Speisepumpe, Rauchkammertür,
Bypassventil,
Ölbehälter mit Pumpe

Abfahrbereit!
Das Überdruckventil bläst
schon ab, der Kesseldruck
ist an der zulässigen Obergrenze!

Frage:
 
Lok mit Lokführer?
oder:
Lok mit Heizer?

Bei Walter Kolb:
 
Schwerer Zug und
bis zu 7% Steigung!

Weitere Bilder finden Sie auf den Seiten vom 4. und 6. Echtdampf Hallentreffen in Sinsheim. Mehrere Video-Clips von der Lokomotive sind auf meiner Modellbahn Video-Seite abgelegt.

3. Betrieb

Das Anheizen geht eigentlich - wenn man weiß, worauf es ankommt - recht schnell und unproblematisch:
Zunächst werden natürlich alle beweglichen Teile abgeschmiert und der Kessel und die Seitentanks mit destilliertem Wasser, die Ölpumpe wird mit Heißdampföl gefüllt.
Danach muss man mit in Petroleum getränkter Holzkohle eine erste Basis-Glut entfachen. Dazu benötigt man zum Erzeugen eines Zuges einen elektrischen Saugventilator. Danach wird Anthrazitkohle nachgelegt. Sobald das Manometer etwa 2 bar Druck anzeigt, wird das Hilfsgebläse entfernt und auf den Hilfsbläser der Lokomotive umgestellt.
Nach ca. 10 Minuten hat die Lok ausreichenden Betriebsdruck (4-6 bar) erreicht, wenn man nichts falsch gemacht hat. Nun kann der Einsatz beginnen.

Hauptschwierigkeit während des Betriebes war für mich anfangs, ein optimales, helles Feuer zu erreichen und den rechten Zeitpunkt zum Nachfeuern herauszufinden. Hier hilft einfach nur Ausprobieren. Bei meiner Maschine hat es sich als günstig herausgestellt, bei etwas weniger als 4 bar nachzuheizen.

Wenn einmal der Wasserstand im Kessel zu niedrig werden sollte - dies tritt meist dann ein, wenn die Lok steht und Dampf für den Hilfsbläser verbraucht - kann mit der Dampfspeisepumpe für Ausgleich gesorgt werden.

Es macht übrigens auch ungemein Spass, die Maschine im Stand unter Dampf zu halten, bis sie dann zum Einsatz auf die Strecke gehen kann. Ich habe mit meiner Lok einmal gut 4 Stunden am Stück gearbeitet (gespielt) - sowohl im Stand als auch beim Fahren! Selbst als absoluter "Freak" ist man dann am Ende seiner Konzentrationsfähigkeit oder aber auch am Ende seiner RC-Akkus angelangt.

4. Betriebsende

Nach Beendigung des "Dienstes" hat man ähnliche Arbeiten wie bei einer echten Dampflok: Aschekasten leeren, Feuerbüchse ausräumen, Rauchkammerlösche (mit dem Staubsauger) ziehen.

5. Vorbild und Modell im Vergleich

Vorbild Modell
Achsfolge: 1'C1' 1'C1'
Kesselüberdruck: 14 bar 6 bar
Zylinderdurchmesser: 420 mm 14 mm
Kolbenhub: 500 mm 20 mm
Rostfläche: 1,56 m² 37,50 cm²
Rauchrohre (Anzahl): 32 4 (d = 8 mm)
1 (d = 15 mm; Überhitzerdurchführung)
Mindestradius: 40 m lt. Hersteller: 117,5 cm (LGB R 3)
Ich bin auch schon problemlos durch
LGB R 2 gefahren.
Wasservorrat: 5 m³ ca. 750 cm³ (Kessel )
550 cm³ (Seitentanks)

6. Fazit

Die Maschine war eine recht teuere Anschaffung, die ich allerdings bislang nie bereute. Die BR 99 6001 - 4 von Walter Kolb ist ist eine beeindruckende Lokomotive, über die einmal jemand sagte: "Nur der Maßstab trennt sie vom Vorbild."
Dem habe ich nichts hinzuzufügen!


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© M. Detzner, Speyer, 2000